Hintergrundinformationen

Vorwort
Hangneigungen sind zweifellos ein sehr wichtiges Kriterium im Lawinenrisikomanagement. Umso wichtiger ist jedoch der Hinweis an alle Anwender, dass die Hangneigung alleine niemals das einzige Kriterium sein sollte, an dem man sich orientiert! Abgesehen davon können selbst gut aufgelöste Hangneigungskarten nur bedingt die Realität abbilden.
Es sei ferner auf entsprechende Kurse zum Lawinenrisikomanagement und auf die weiterführende Literatur zur Lawinenkunde und zum Lawinenrisikomanagement verwiesen.

Einleitung
Die auf OpenSlopeMap frei zur Verfügung gestellten Karten beruhen auf frei zugänglichen digitalen Geländemodellen (abgekürzt DGM oder auch DTM), die im wesentlichen mittels Laserscann-Befliegungen (LIDAR, Airborne Laserscanning) erstellt wurden. Eine sehr schöne Beschreibung zu diesem Thema hat das Land Tirol erstellt und kann hier nachgelesen und vertieft werden: www.tirol.gv.at/sicherheit/geoinformation/geodaten/laserscandaten

Vorgehensweise und Genauigkeit
Mittels einer entsprechender Geoinformationssoftware (GIS) wurden im Rahmen dieses Projektes die Ausgangsdaten in zahlreichen Schritten weiterverarbeitet und schlussendlich so die Hangneigungskarten, unterlegt mit einer Schummerungskarte und Höhenlinien sowie angereichert um einen OpenStreetMaps-Layer, generiert. Je nach Region beruhen die Karten jedoch auf unterschiedlichen Auflösungen. So konnten für Österreich (geoland.at) und Südtirol die Karten auf Basis von 10m-DGM-Auflösungen erstellt werden (für die Länder Tirol, Salzburg, Vorarlberg und Südtirol stehen sogar exakte 5m-DGMs frei zur Verfügung, die wir ebenfalls für unsere „High Resolution“-Karte nutzen), während etwa die Slowenien-Karte oder aber die Grenzregionen zu Österreich/Südtirol auf 20m-DGM-Auflösungen erstellt werden konnte (Daten von Sonny). Das Land Bayern stellt leider nur 50m-DGM-Daten frei zur Verfügung. Dank der Daten von Sonny ist es möglich, für Bayern eine etwas höhere Auflösung bereitstellen zu können (ca. 30m), die jedoch in den meisten Fällen als nicht immer ausreichend anzusehen ist. Bei Ländern wie der Schweiz, Frankreich oder Teilen Italiens konnten bislang keine brauchbaren und frei zugänglichen DGMs genutzt werden, entsprechend konnten für die Länder auch noch keine Hangneigungskarten erstellt werden. Sobald hier entsprechende Daten einmal frei zur Verfügung stehen sollen auch diese Gebiete abgedeckt werden.

Es gibt nun drei verschiedene Ausprägungen der OpenSlopeMap mit unterschiedlich guten Auflösungen:

  • Low Resolution: Diese Karte basiert weitgehend auf 10m-DGMs, deckt Österreich und Südtirol (10m), aber auch Bayern (30m) oder Slowenien (20m) mit eher geringeren Auflösungen ab.
  • Medium Resolution: Diese Karte basiert auf bikubisch interpolierten 10m-Daten und deckt Österreich, Südtirol und Trentino ab. Die Genauigkeit bewegt sich dabei irgendwo zwischen der „Low Resolution“-Karte mit 10m-Auflösung und der „High Resolution“-Karte mit 5m-Auflösung.
  • High Resolution: Diese Karte basiert auf den exakten 5m-Daten und deckt Tirol, Salzburg, Vorarlberg und Südtirol ab.

Einschränkungen
Für die Erstellung von Hangneigungskarten für das Lawinenrisikomanagement hat sich weitgehend die Meinung durchgesetzt, dass DGM mit 10m-Auflösung die am besten geeignete Grundlage bilden. Beim Erstellen von Hangneigungkarten geht man im Grunde immer Kompromisse ein. Ist das zugrundeliegende DGM zu grob kann das Gelände nicht mehr realitätsnah abgebildet werden. Legt man eine zu feine Auflösung zugrunde wird das Gelände sehr fein aufgelöst. Im Extremfall etwa mit 1m-DGMs würden die Hangneigungen sehr fein dargestellt, was jedoch auch nicht unbedingt den Gegebenheiten im Winter entsprechen muss, da je nach Schneedeckenmächtigkeit bestimmte Hangbereiche durch die Schneeauflage quasi geglättet werden. Abgesehen davon werden die Hangneigungskarten dann farblich grieselig und nicht mehr so gut lesbar und würden gleichzeitig eine nicht gegebene Genauigkeit suggerieren. Insofern hat sich weitgehend die Meinung durchgesetzt, dass 10m-DGM der ideale Kompromiss sind, wohl wissend, dass es vereinzelt lokale Gegegebenheiten geben kann, die eine höhere Auflösung erfordern würden.

Um eben diesem Zustand Rechnung zu tragen haben wir nun auch Karten auf Basis einer höheren Genauigkeit erstellt. Für die Länder Tirol, Salzburg, Vorarlberg und Südtirol stehen mittlerweile exakte 5m-DGMs frei zur Verfügung. Um weitere Regionen auch mit genaueren Daten abdecken zu können gehen wir ferner her und bereiten die 10m-DGMs rechnerisch auf. Wir nutzen dabei das mathematische Verfahren der bikubische Interpolation, so dass wir daraus interpolierte 5m-DGMs erhalten. Die Genauigkeit dieser interpolierten 5m-DGMs liegt dabei in etwa zwischen der Genauigkeit der 10m-DGMs und der Genauigkeit der exakten 5m-DGMs.

Unabhängig von all diesen Überlegungen sollte sich jeder Anwender der Karte darüber im Klaren sein, dass eine Karte immer nur eine eingeschränkte Sicht auf die realen Gegebenheiten sein kann und daher niemals vollständig die tatsächlichen Verhältnisse darstellen kann.

Hangneigungsklassen
Der Erstellung der Karte und insbesondere die Einteilung der Karte in die verschiedenen Hangneigungsklassen folgen dabei folgenden Überlegungen:
0°-9°: Das Gelände ist so flach, dass man je nach Schneeoberfläche u.U. nicht mehr ins selbständige Gleiten kommt.
< 30°, <35°, <40°: klassische Einteilung gemäß der gängigen Reduktionsmethoden (ERM, GRM etc.). Auf weiterführende Erläuterungen wird daher an dieser Stelle verzichtet.
40°-42°, 43°-45, 46°-49°, 50°-54°: Diese Einteilung dürfte für Diskussionsstoff sorgen. Insofern sei hierfür die Erläuterung etwas ausführlicher. Bei Hangneigungen über 40° bewegt man sich in einem sehr kritischen Bereich. Es erscheint daher sinnvoll, bereits den Hangneigungsbereich zwischen 40° und 45° feiner aufzulösen. Mit jedem zusätzlichem Grad steigen die alpinen Gefahren (Lawine, Absturz etc.) deutlich an. Nicht zuletzt deshalb wurde für diesen sehr kritischen Hangneigungsbereich also ein sehr konservativer Ansatz gewählt, der dem Anwender frühzeitig die nochmals stark zunehmenden Risiken signalisieren soll.
55°-90°: Die größte Gefahr droht hier im wesentlichen durch Absturz und andere alpine Gefahren. Gleichzeitig kommen diese Hangneigungsbereiche nur mehr eingeschränkt als Einzugsgebiet für die Lawinenbeurteilung in Frage, da sich in diesem Bereich im Normalfall kaum siginfikante Schneeansammlungen bilden können. Nichtsdestotrotz kann dies, auch unter Berücksichtigung des gesamten Einzugsgebietes, nicht ausgeschlossen werden.

Schlusswort
Identisch zum Vorwort, weil es so wichtig ist: Hangneigungen sind zweifellos ein sehr wichtiges Kriterium im Lawinenrisikomanagement. Umso wichtiger ist jedoch der Hinweis an alle Anwender, dass die Hangneigung alleine niemals das einzige Kriterium sein sollte, an dem man sich orientiert! Abgesehen davon können selbst gut aufgelöste Hangneigungskarten nur bedingt die Realität abbilden.
Es sei ferner auf entsprechende Kurse zum Lawinenrisikomanagement und auf die weiterführende Literatur zur Lawinenkunde und zum Lawinenrisikomanagement verwiesen.